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Die Stadt ist voll. Voll von Menschen und Müll. Ich schaue auf meine Uhr und denke mit Erschrecken daran, wie schnell diese beschissene Zeit vergeht. Zu viele Menschen machen mir Angst. Das einzige was mich beruhigt ist die Tatsache, dass die Sonne scheint. Ich friere ausnahmsweise mal nicht. Ich krame meine Sonnenbrille aus der Tasche und fühle mich gleich unsichtbar. Dann können sie mich nicht anstarren, mir nicht in die Augen sehen, diese Fremden.

Ich habe noch eine dreiviertel Stunde. Eine gute Idee, denke ich, dass ich schon so früh gefahren bin. Ich setze mich vor ein Cafe und bestell mir eine Late Macciato. Mit Sonnenbrille. Ich beobachte die Menschen, eine Frau mit Zwillingen im Kinderwagen. Sie tut mir leid, obwohl ich weiß, dass man sich nicht leid tut, wenn man in der Gegenwart lebt.
Ein Kampfhund mit Maulkorb scheißt neben eine Mülltonne. Ich beobachte den Besitzer und halte 100 Euro dagegen, dass der Typ die Scheiße verschwinden lässt. Ich hätte gewonnen, wäre ich nicht allein gewesen.

Zuerst bemerke ich ihn gar nicht, der ungepflegte junge Mann neben mir. Er sitzt einfach da und schaut in die Menschenmenge, so wie ich. Ich trinke einen Schluck aus dem Glas, schaue kurz zu ihm rüber, er bittet mich um etwas Geld. Er ist sicher nicht älter als zwanzig, denke ich. „Was willst du trinken“, frage ich ihn, ohne die Brille abzusetzen. „Einen Kaffee, bitte.“ Ich rufe den Kellner und bestelle für ihn einen Kaffee.

Er lächelt mich an, bedankt sich und mit seinen dreckigen Fingern schlürft er den heißen Kaffee, ohne ein Wort zu verlieren.

Ich muss los. In zehn Minuten habe ich das Meeting. Wie ich das hasse. Anzugträger in Krawatten geschnürt.
Ich gebe dem Obdachlosen zum Abschied die Hand, sie ist so siffig, und ich werde dem Anzugträger gleich die Hand geben und mich innerlich freuen. Mein ganz persönlicher Deal.

Während ich durch die Stadt laufe, denke ich darüber nach, wie beschissen das Leben doch sein kann. Ich werde nach diesem Tag sehr müde sein, und ja, ich nehme mir vor meinen Frust in drei Gläser Wein zu ertränken.

Wie gern würde ich alle Einbahnstraßenschilder verkehrt herum drehen.
kein gelb - 4. Mai, 02:03

muss mich ja mal outen..

schaue schon länger mal hier rein...
tolle schreibe, weiter so!
lg kg

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Zuletzt aktualisiert: 19. Jul, 23:37

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