Der Schnee ist geschmolzen und Weihnachten auch. Gut so. Ich strukturiere weiter an meinem Leben herum. Gar nicht so einfach aber so langsam nimmt es kleine Sandkastenförmchen an. Mittwoch ist Wohnungsübergabe und ich werde die Wohnung säubern. Einen Kühlschrank und eine Spüle habe ich nun auch, dank M., Annas Exmann, der mir seine Sachen umsonst gibt. „Hey, Kandis, ich weiß doch, dass du nix hast. Sieh es als vorzeitiges Geburtstagsgeschenk, aber dann komm ich auch vorbei.“ „Klar, der Deal steht.“ C. der neue Mann von Anna wird mir die Sachen Mittwoch vorbei bringen und einbauen.
Samstag dann kurz ins billige Dänische Bettenlager und weiter geht’s. Der Gatte scheint entspannt, solange ich ihm seine Dinge weiter erledige. Werde ich tun. Es wird mir gut tun, endlich eigene vier Wände zu haben. Überblick so gut wie ich ihn mir nach all den unselbständigen chaotischen Jahren schaffen kann.
Das Alphabet schwankt etwas, da c lieber im Gänsefüsschenmarsch galoppiert, d allerdings mit großen Schritten schon weit voraus ist. Aber c war schon immer lahmarschig langsam und meistens zu spät, und z wollte c niemals überholen. Also immer schön in der Reihe bleiben. Außer wenn man mal nach links oder rechts springt. Das Alphabet ist wie eine Reise von Fluggänsen gen Süden. Die Konstruktion führt ans Ziel.
Heute wieder das Gefühl der totalen Beziehungsuntauglichkeit.
Dieses Jahr habe ich es leider noch nicht wirklich hinbekommen, Weihnachten nach meiner Einstellung zu feiern, aber nächstes Jahr wird es dann endlich soweit sein.
Unser Heiligabend war traurig. Traurig, weil meine Kinder völlig zielorientiert und beischeidenlos verbal über uns herfielen, wie Aasgeier. Ich beobachtete sie einzeln und studierte ihre Wut und Entäuschung darüber, dass sie nicht ihre WÜnsche erfüllt bekamen, aus Geldnot heraus, was sie aber keinesfalls interessierte.
Ich ging um halb zehn schlafen, ich war müde, denn immerhin war ich auf Heiligabend schon seit halb sechs auf den Beinen, da ich gearbeitet habe.
Und mir tut auch im Nachhinein nichtmal 1% ihrer Entäuschung auch nur im geringsten leid.
Das einzige was mich ein wenig nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass ich das Gefühl habe, die letzten fünfzehn Jahre in die Tonne gekloppt zu haben, denn auch meine Erziehung steckt in ihren Köpfen.
Gestern Abend mit einer selbstgedrehten Fluppe und einem Glas Wein, sitzend auf meiner Waschmaschine im Keller, war mir gar nicht mehr nach Weihnachten.
Edit: 25.12.09 12:51 Uhr
Und nun sitzen sie alle drei am Tisch und spielen das Spiel gemeinsam, dass sie gestern gar nicht haben wollten und ich mit ruhiger Stimme daraufhin als Geschenk für ein Kinderheim versprach. Erziehung hat einen verdammt langen und geduldigen Arm;-)
Ich dachte erst, es wäre ein Weihnachtslied zur rechten Zeit, während ich den Tannenbaum mit der Kleinen schmückte und die Hütte ein wenig auf Vordermann brachte.
In Gedanken ging ich den Tag noch einmal durch. Gewollter aber nicht Gekonnter Sex mit dem Arbeitskollegeehemann im Aufzug heute in der Früh, wegen Zeitmangels, die Nacht unglaublich heftig aufregend geträumt, im Hinterkopf das Wissen, dass ich nur noch zwei Arbeitstage in der alten Firma habe, die Kinder freuen sich nicht auf Weihnachten, weil sie dieses Jahr! Und wirklich jahajaha! Keine computergesteuerten, zukunftsverblödeten, undefinierbare Hightechnotronic geschenkt bekommen, und Mutter würde am liebsten den Tannenbaum im Garten pflanzen. Das arme Ding ist ein Krüppel und tut mir leid.
Den Gatten seit gut zwei Wochen nicht gesprochen, because Mission impossible, der rafft langsam, dass ich nächste Woche ausziehe.
Ein Highlight, dass ich meine Geilheit zügel, so ganz von allein, daran ist D nicht ganz unschuldig und C findet das ausnahmsweise mal nicht Personal unkorrekt. Dachte heute für einen Moment ich hätte das Tourete Syndrom, aber ich glaub ich hab mich schlicht verdacht.
Und übermorgen dann große Familienfeier, mal nicht bei mir, sondern ganz woanders. Ich hatte dieses Jahr keine Lust. KEINE LUST! Nach sieben Jahren habe ich es ausgesprochen.
Und somit habe ich auch dieses Jahr keinen Stress.
Sauber.
Ich wünsche EUCH schöne-besinnliche-liebevolle-ehrlich gemeinte-unspektakuläre-nichtkommerzorientierte-hammergeile-glaubensnahe Weihnachten!
P.S. Also vor zwanzig Jahren wären die Typen absolut in mein Beuteschemaregister gefallen! Arghhhh
..es mir wohl besser geht, wenn ich bei diesem Lied mit Überschalllautstärke in meinen vier Wänden randaliere?!
Ausprobieren!
Edit: Während ich also das letzte Geschirr zerdepper, und mich über das Wollen aber Nichtkönnen aufrege, im Hintergrund dieses Lied durch meine Boxen schmettern lasse, klingelt plötzlich das Telefon. Und tatsächlich, es ist ein Nachbar, zwei Häuser weiter.
„Sprech ich mit Frau Kandis?“
Ich schalte flux die Musik leise und antworte.
„Ähm, ja.“
„Hier ist Herr T (Teufel???), ihr Nachbar. Gehört dieser ungezogene Bengel zu Ihnen, der immer mit seinem Busenfreund zusammen ist?“
„Hm, kann schon sein, was ist denn passiert?“
„Die beiden schmeißen schon den ganzen Abend Schneebälle an mein Fenster und hampeln danach immer so rum.“
„Oh.“ ;-) Ich muss grinsen.
„Das haben die letztes Jahr auch schon gemacht, als Schnee lag, und wenn das nicht aufhört, dann werde ich das Jugendamt benachrichtigen, denn viele Eltern haben ja heutzutage ihre Kinder gar nicht mehr im Griff.“
[ Ich überlege kurzweilig, meinem Sohn einen Schlagknüppel zu geben, um ihn auch mal anständig randalieren zu lassen, denn der Anruf beim Jugendamt sollte sich ja schließlich lohnen. Ich vermute wegen Schneeballwurf ans Fenster, kommen die nicht raus, es ist zu kalt und außerdem kommen die doch eh erst immer in die Puschen, wenn man ein Kind hat verhungern lassen, oder zu Tode geprügelt ]
Aber der Teufel meint es tatsächlich sehr ernst, denn immerhin macht er sich lautstark Gedanken, ob er den Schneeballwurf an sein Fenster persönlich nehmen sollte.
„Hat ihr Sohn etwas gegen mich und meine Frau?“
Ich überlege genau meine Wortwahl, obwohl ich am liebsten sagen würde: Nein, nicht doch, aber ich kann sie überhaupt nicht leiden. Sie grüßen nicht, sie lachen nicht, sie sind mir äußerst unsympathisch, was jedoch keinesfalls den Schneeballwurf entschuldigt.
„Herr Teufel, ich werde mit meinem Sohn unverzüglich reden, und ich verspreche ihnen, es kommt nie mehr vor, und bald ist der Schnee ja auch wieder geschmolzen.“ (Dann könnte er ja kleine Steine nehmen ;-))
Ich fordere den jungen Mann auf, subito rüber zu gehen, um sich dafür zu entschuldigen, (denn das Jugendamt kann ich mir nicht leisten, schon gar nicht bei dieser Kälte, sonst bemerken die noch, dass ich ein Messi bin, nicht heizen kann, kein Essen im Haus habe und meine Kinder vernachlässige, und diese aus lauter Frust mit Schneebällen werfen und im Garten ein Iglu bauen, weil es dort genauso kalt ist wie in der Wohnung)
Er folgt meinem Fordern, kommt zurück und sagt:“ Mama, weißt du was der T. zu mir gesagt hat! Typen wie du schieß ich am liebsten in den Wind.“
Mir sagte der unfreundliche Herr, er wäre Lehrer gewesen, mir tun die Schüler im Nachhinein noch sehr sehr leid.
Na dann auf gute Nachbarschaft Herr Schneemann. (Tassengeschirrgeschepper und Musik wieder laut)
Gut, ich gebe zu, es ist ein schöner Ort. Mit der Großen also insgesamt 1100 km durch Deutschland gefahren, bei Schneegestöber und Glatteis, um ihre neue „Heimat“ für die nächsten drei Jahre zu besichtigen. Und sie ist sich sicher, sie möchte auf das 500 km entfernt gelegene Internat. Nun muss ich nur noch den Gatten davon überzeugen.
Wer hätte das gedacht? Aber ich gebe zu, ich mag Veränderungen, und ich werde ihr Vorhaben, das Abitur ein Jahr früher zu beenden, unterstützen und sie stärken.
Auch wenn sie mir hier daheim fehlen wird.
Das Kind mit Flügeln und dem unglaublichen Drang in die weite Welt hinaus zu fliegen.
Es friert. Die Dunkelheit zeichnet die Nacht in den Samstagabend. Aus den Augenwinkeln huscht ein Schatten durch mein Wohnzimmer und ich schaue auf und spüre, dass der Tod durch meine Räume geht. Es ist also noch nicht vorbei, weitere Sterbefälle werden folgen, bis endlich die aufflackernde Sparbirne im Flur wieder gleichmäßig hell Licht spenden wird.
Keine Zeit für Angst. Mein Dasein taucht völlig verändert durch das Meer Leben. Die neuen Veränderungen in 2010 werden Meilensteine für die Zukunft setzen. In mir feiern Freude und Trauer gleichzeitig eine Party. Was für ein Kirmesrummel ist das. Die neue Firma ist besetzt von unglaublich interessanten Menschen, die alte Firma mag mich nicht gehen lassen.
Internat, Wohnungswechsel, Berufswechsel, Trennung, zwei neue CD’s und die Geister zum ewigen Tor werden mich begleiten, und ich werde weiterhin mit Gelassenheit dem Leben ein paar neue Verkehrsschilder setzen.
-es geht-es funktioniert-es freut-es treibt Tränen in die Augen- es liebt- es entspannt- es lacht- es macht große bunte Wolken in den Himmel- es wundert- es verwirrt- es dreht sämtliche Einbahnstraßen auf den Kopf- es rumpelt im Gehirn- und Augenränder kann man überschminken.
Ein überschwinglich gekünzeltes Lachen springt mich an, als ich das Wohnzimmer betrete. „Was hast du denn an?!“ –Keine Pause- „Der Rock ist aber kurz!“
„Guten Tag Mama,“ begrüße ich sie und versuche ihre unnütze Bemerkung zu ignorieren. Aber noch im gleichen Moment treffen mich ihre Angelhaken, und die Wiederhaken bohren sich in meinen Körper. Ich begrüße die anderen Gäste und gratuliere der alten Dame zu ihrem 90. Geburtstag. „Hallo meine Kleine, strahlt sie mich an.“
585 Jahre hocken am Tisch, fünf Generationen, drei Kuchen, eine Kanne Kaffee und gefüllte Windbeutel mit Bailyssahne. Vater macht einen genervten Eindruck, Mutter kommt nicht über den Rock hinweg. Die drei alten Damen aus dem zweiten Weltkrieg plaudern ganz angestrengt über die Führerzeit, als alles noch seine Ordnung hatte. Ich bin müde.
Und versuche mich von den Angelhaken zu befreien, ich mag sie nicht mehr an mir. Aber Mutter hört nicht auf, mich langsam qualvoll an Land zu ziehen mit ihren Blicken, ihrer Stimmlage, ihrer Unzufriedenheit. Ich denke, wer zuletzt kommt, darf zuerst wieder gehen, und verlasse um 19.30 Uhr den Angelplatz. „Ich ruf dich an,“ trällert sie mir zum Abschied entgegen. Ja, mach mal, denke ich, ich werde es nämlich nicht tun.
Um 21.00Uhr gehe ich energielos schlafen. Ich bin wütend, dass sie es immer wieder schafft.
Heute verbrachte ich den Tag damit, die Haken zu entsorgen. Jeden einzelnen zog ich aus der Wunde und ließ ihn achtlos zu Boden fallen. Das Telefon klingelt. Mit monotoner Stimme und künstlich erzeugten Details spricht sie mit mir, und ich denke so ganz still bei mir, warum gönnst du mir meine Zufriedenheit eigentlich nicht. Wie ein Heilbutt liege ich im Watt und ringe mit meinen Kiemen nach Luft, zappel hin und her, bis ich es doch schaffe in einen Priel zu schlackern. Ich lege auf.
Und dieses mal werde ich mich von niemandem beirren lassen.
Die Windbeutel waren lecker. Auch wenn sie eigentlich für die Kinder gedacht waren.
Falsch gelesen, Mama, aber macht doch nichts.
„Warum solltest du nicht auch mal Glück haben in deinem Leben, und hey ich gönne es dir von Herzen!“
Ich schau in den Himmel und folge den untypisch hellen Wolken an diesem Novembertag.
Ihr werdet mir alle fehlen, was für ein verrückter Haufen ihr doch seid, denke ich, aber mein Weg geht weiter und ich laufe zielstrebig in die nächste Abzweigung.
Das Jahr hat mir verdammt gut getan, und das nächste Jahr wird eine große Herausforderung für mich.
Kein Regen, kein trauriges „November Rain“ Lied in meinen Gedanken. Nur ein einfaches Lächeln und ein tiefer Dank an das Universum. Und die Tatsache, dass ich einen gewaltigen Schritt weiter bin. Ich habe den Job. Fast unglaublich, aber wahr. Ich habe überzeugt, und der Überzeugung folgt eine unglaubliche Neugier, was im neuen Jahr auf mich zukommt.
Von Null auf Hundert. Mit einer Prise Glück und Zuversicht. Ein sechser im Lotto.
Die Unterschrift auf meinem Führerschein ist zittrig. Als ich damals die Prüfung bestand, konnte ich kaum denken, geschweige denn meinen Namen ordentlich schreiben.
Die Unterschrift der Gegenwart, ist Ausdruck meiner Gelassenheit. Niemals zuvor habe ich mir selbst so sehr vertraut. Der Vertrag ist Fakt. Gut so.
Das Alphabet ist in Partystimmung, und C tanzt ausgelassen mit D.
Nächste Woche ist also die Beerdigung. Ich hasse Beerdigungen. Aber noch mehr hasse ich die Heucheleien, die sich leise einschleichen, sobald der Tod eingetreten ist. Als Lebender die Ehefrau misshandelt, und nun wird getrauert. Abschied nehmen ist ja legitim, aber wer trauert um einen Menschen, der geprügelt hat und ein Tyrann war?
Ich habe mich heute aus dem Staub gemacht. Einfach für ein paar Stunden in ein anderes Leben abgetaucht. Nein, in mein zukünftiges Leben. Zu viele Ereignisse drücken mich gerade unter Wasser und mir fällt das Atmen schwer.
Am Montag habe ich das erste mal seit zwanzig Jahren ein Vorstellungsgespräch und mir geht der Arsch auf Grundeis. Die Ganztagsstelle wäre mein Sprungbrett in die Selbständigkeit.
Realistisch gesehen fallen zur Zeit einfach eine Menge Sternschnuppen auf mir herab. Das ist eine Portion Glück zu viel. Und mich verlassen die Kräfte. Da wären die beiden Buchstaben, C und D, die ohne den anderen das Alphabet Leben nicht ausfüllen können. Und so sind sich die beiden einig, sie müssen in der Zukunft zusammen bleiben. Also kann D nicht einfach vor Z stehen, oder C sich aus dem Alphabet katapultieren. C will auch gar nicht mehr ohne D, aber wären da nicht die ganzen Baustellen, die den Beiden trotz Rechtschreibreform einige Abrisssteine in den Weg legen.
Der Minijob macht immer noch Spaß, bald habe ich ein Jahr um. Das war eine gute Sache, egal, wie lange ich sie noch mache, denn sie hat mich in jedem Fall einen Schritt nach vorn gebracht.
D findet das auch. Und das Alphabet wackelt vor Freude.
2010 wird wohl ein sehr turbulentes Jahr, aber dafür ist jetzt schon sicher, dass ich dieses Jahr nicht völlig deprimiert auf dem Wohnzimmerfußboden sitzen werde und vor Tränen nicht mehr erkenne, wer mich tröstet. Anna war es. Ich saß also eingeschlossen in meinem Wohnzimmer und kam nicht mehr heraus. Anna kam durch den Garten und setzte sich hinter mich, während ihr Ex meine Tür von der anderen Seite versuchte zu öffnen. Das war der Ausklang 2008 mit dem Ergebnis, dass wir das Glas aus der Tür montierten, und ich zwei Wochen durch den Türrahmen klettern musste. Meine Kinder werden nie mehr einen Schlüssel umdrehen, den wir fünfzehn Jahre nicht benutzt haben.
2010, eine Zahl die sich wie Science Fiktion liest. Und C kann nicht mehr ohne D.
Na dann.