[>>]

Tod

Dienstag, 8. Dezember 2009

schwarzer Dienstag

Warum sterben gute Freunde eigentlich immer im Winter??? Der Faustschlag fühlt sich an wie 3000kg Eisen, direkt auf das Nasenbein.


Ich will Angeln gehen, irgendwo in Bayern, mit Zelt und Kumpel.

Montag, 10. November 2008

Friedhofbesuch- Erinnerungen inclusive

Das Leben ist merkwürdig, gnadenlos und manchmal sehr verwirrend. Ich will nicht behaupten, dass es mir schwer fällt zu leben, auch wenn mir etwaige Begleiterscheinungen durchaus bewusst sind. Ich war bisher zum größten Teil Beobachter, stand eher daneben, als dass ich mittendrin oder gar betroffen war. Die Theorie lehrte mich eine Menge, und ich war bis vor kurzem der Meinung, dass ich alle Schwierigkeiten meistern würde. Bis jetzt.

Ich stand ganz in Schwarz gekleidet auf dem Kirchplatz und begrüßte die Trauergäste, die mittlerweile schon eingetroffen waren. Noch ging es mir gut, oder sagen wir, den Umständen entsprechend. „Guten morgen Oma.“ Begrüßte ich sie und nahm sie in den Arm, während ich im gleichen Moment dachte, ob sie wohl die Nächst ist? „Hach, diese Hitze,“ stöhnte sie, und ich dachte, gleich folgt der Satz, „Ja hätte der Opa nicht im Herbst sterben können!“ „Ja“, entgegnete ich „es ist ganz schön schwül heute.“ Gleich darauf schlich sich wieder der Gedanke ein, ob sie wohl die Nächste..... „ Kind, hast du eine Tasche dabei?“ schrie sie durch die gestaute Luft. „ Natürlich, Oma, wieso?“ „ Ich habe dir einen Putzlappen auf dem Wochenmarkt gekauft, aber einen großen!“ Unweigerlich schlug meine gefasste Stimmung in Unbehagen um. „Oma, NICHT JETZT!“ Oma hatte ihren Ehemann schon vor dreißig Jahren begraben, heute ist es der Opi von Omi. Ich differenziere sie durch „a“ und „i“, weil sie jede für sich unterschiedliche Emotionen in mir auslösen. Und doch liebe ich sie alle drei gleichsam.

Aber Oma kann schon mal übertreiben und dann sehe ich sie unsterblich auf einem riesigen Drachen durch die Luft fliegen und mit dem Schwert eigene Schriftzüge in den Himmel schneiden. Heute ist Opis letzter Tag, sein letzter Auftritt, getarnt in einer Urne. Für mich meine erste Beerdigung im riesigen Familienkreis. Noch bin ich ruhig, noch bin ich gefasst. In der Kirche sitze ich in der ersten Bank, neben mir meine Mutter, Tochter des Urnenbewohners, und ich bemühe mich, alles wahrzunehmen, bloß nicht meine Traurigkeit. Ich denke über den Putzlappen nach, was ich alles mit ihm säubern werde, und bloß nicht zu heiß waschen, das hatte Oma noch gesagt. Die Lieder sind traurig, Orgelspiel mag ich nicht. Die Urne gleicht einem Sektkelch mit Eiswürfeln. Da soll er also drin sein? Mein Herz fängt an zu klopfen, meine Augen werden schwer, und ich lenke mich ab. Wie bereitet man eine Tomatensoße zu? Welche Zutaten, komm schon, Oregano Tomatenmark, denk nach, konzentriere dich! Aber es gelingt mir nicht.
Noch in der nächsten Sekunde scheint meine Tomatensoße ungefragt aus meinen Augen über meine Wangen zu laufen und die Nase macht sich ebenfalls bemerkbar. Meine Mutter reicht mir ein Stofftaschentuch, und ich heule den ganzen Gottesdienst, und die Tomatensoße wird auf einmal völlig egal. Für einen Moment denke ich, ich bin die einzige die trauert, die weinen muß, weil mir der Abschied so endgültig, so schwer fällt.

Meine Ehemann neben mir zappelt mit den Beinen hin und her, der Pfarrer starrt mich andauernd so an, meine Omi nickt aufgrund Beruhigungstabletten immer wieder weg und ich, ich heule. Nach der Bestattung verteilt sich die ganze Belegschaft und trifft sich zum großen Leichenschmaus. Ich habe keinen Hunger, sitze vor einer Tasse Kaffee und beobachte das Diskutieren, Lachen und Beisammensein. Mir ist übel, ich setze mich nach draußen und denke an den Sektkelch mit Eiswürfeln. Tausend Erinnerungen werden wach. Und jetzt, jetzt ist nichts übrig geblieben, außer den Erinnerungen und der Asche. Erinnerungen, als ich ihn immer wieder im Krankenhaus besuchte, ihm das Inhaliergerät nach Hause fuhr, ihn zu mir holte, damit er mit meinen Kindern reden konnte. Urlaube und Gespräche, und all das was ich mit ihm erlebt hatte. Die vielen Leute lösten sich langsam auf und gingen nach Hause. Ich saß immer noch unter dem Sonnenschirm der Gaststätte, und überlegte, wie man sich in einem Sektkübel fühlt.

Als ich endlich zu Hause war, beschäftigte ich mich mit aufräumen, und lenkte mich ab. Meine Tochter kam zu mir und bemerkte, dass ich wohl am traurigsten gewesen wäre. Nein, nicht gewesen, ich war es noch. Ich startete meine Computer und spielte mein Lieblingslied. „Der größte Trick“ und dacht, ja, er muß dabei gewesen sein. Der Teufel in Person, denn ohne ihn gäbe es nicht diese Trauer. Und doch ist es mein Lieblingslied, und doch macht er mir keine Angst, denn was kann der Teufel schon anrichten, was der Engel nicht schon abgesegnet hat. Und weil ich wußte, dass der Opi nur noch symbolisch im Sektkelch friert, freute ich mich, dass seine Seele nun dort ist, wo es ihm gut geht, und wenn ich mich konzentriere, dann bemerke ich seine große schützende Hand über meinen Kindern und mir und meine Trauer wird unweigerlich durch ein Lächeln ersetzt.
logo

Offen für alles schwebt mein Geist über mir Höre ich da etwa ein Lachen?

Gib mir zwei Teelöffel Kandis

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Zufallsbild

images

Secret Service

universum15atfreenetpunktde

Aktuelle Beiträge

To do List
- einkaufen -Wohnungsübergab e -duschen -Ausstand...
LadylikeKandis - 30. Dez, 15:17
hey..
schön dich mal wieder zu lesen..;-) und danke...
LadylikeKandis - 29. Dez, 17:09
ich
danke dir für die guten wünsche;-) wird...
LadylikeKandis - 29. Dez, 17:08
Viel Glück!
Im neuen Heim und für das neue Jahr das unaufhaltsam...
morgiane - 29. Dez, 15:45
liebe kandis,
ich wünsche dir ein schönes neues zuhause,...
SehnsuchtistmeineFarbe - 28. Dez, 20:51

Platz ist genug - Kaffee? Tee?

Party

Counter

Status

Online seit 779 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 30. Dez, 15:17